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Dez 23 2010

“Stell dir vor, du bist ein Krapfen!”

Impromptu HypnoseDas versucht zumindest der liebenswürdige Außerirdische Alf in einer Folge der gleichnamigen TV-Serie dem Kater der Familie zu suggerieren, während er ihn mit einem Pendel hypnotisiert. Ich muss gestehen, dass meine Erfahrungen in Bezug auf Hypnose lange Zeit auf diese einprägsame Filmszene beschränkt gewesen waren – doch glücklicherweise durfte ich meinen Horizont erweitern, ohne mich eigens dafür extraterrestrischen Lehrmeistern zuwenden zu müssen.

Auf der diesjährigen b2d-Dialogmesse in Hannover wurde ich Zeugin einer ungewöhnlichen Darbietung: Der Stammeshäuptling der Inokis meldete sich freiwillig zu einem interessanten Experiment, zu dem Axel Wehner und Ilja Grzeskowitz von der Wege Academy in Berlin geladen hatten. Im Rahmen eines Interviews hatte Ilja Grzeskowitz nämlich angeboten, einen Freiwilligen spontan zu hypnotisieren. Unter den erstaunten Blicken der Messebesucher wurde der Hypnotee (derjenige, der sich hypnotisieren lässt, also in diesem Falle der PR-Indianer Ludger Brenner) innerhalb weniger Augenblicke in einen Zustand versetzt, in welchem der Hypnotiseur direkt mit dem Unterbewusstsein in Kontakt tritt – und den Hypnotisierten beispielsweise dazu bringen kann, kurzfristig seinen eigenen Namen zu vergessen, was nicht nur ihn, sondern auch die anwesenden Zuschauer in amüsiertes Erstaunen versetzte.

Diese Kunst, einen Menschen aus dem Stegreif in einen hypnotischen Zustand zu versetzen, nennt man Impromptu Hypnose, die in den USA und Großbritannien bereits sehr verbreitet ist, wohingegen sich im deutschsprachigen Raum bisher nur wenige Hypnotiseure finden, die diese Technik beherrschen.

Im Oktober dieses Jahres erschien von Ilja Grzeskowitz das Buch mit dem Titel “Impromptu Hypnose – Die Kunst, jederzeit und überall hypnotisieren zu können”, und als wissensbegierige PR-Indianerin ließ ich mir die Gelegenheit natürlich nicht entgehen, mich eingehender mit der Materie zu beschäftigen, die mich seit meinem Erlebnis auf der Messe so sehr in ihren Bann gezogen hatte.

Das 213 Seiten umfassende und überaus praxisorientierte Werk ist darauf ausgerichtet, sowohl Hypnoseinteressierte mit Erfahrungen als auch Neulinge auf diesem Gebiet in gut verständlicher Form in die komplexe Thematik einzuarbeiten und zu eigenständigem Arbeiten anzuleiten. In fünf Abschnitten gibt der Autor zunächst einen knappen und strukturierten Einblick in die Begriffsbestimmung sowie unter anderem wichtige Grundlageninformationen zu Bewusstsein und Unterbewusstsein, die selbstredend beim Vorgang der Hypnose eine bedeutende Rolle spielen. Die ausführlichen Übungsanleitungen sind mit zahlreichen Fotografien versehen, welche die vermittelten Inhalte sehr anschaulich werden lassen. Vom Anfang bis zum Ende wird der interessierte Hypnotiseur in spe mit den vielfältigen einleitenden, begleitenden und ausleitenden Prozessen vertraut gemacht und zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Thematik und ganz besonders den Menschen, die sich hypnotisieren lassen, angeleitet.

Beeindruckt hat mich besonders die von mir gewonnene Erkenntnis, dass Hypnose keineswegs etwas Erschreckendes mit unerfreulichen Folgen wie in Manns Novelle Mario und der Zauberer ist. Vielmehr handelt es sich dabei um einen natürlichen Zustand – in welchem der Mensch seinen rationalen Verstandesfilter abschaltet und auf Spontaneität setzt – der, verantwortungsvoll angewendet, eine bereichernde Erfahrung sowohl für den Hypnotiseur als auch für seinen Klienten darstellt. Als Science-Fiction-Fan hat mir ganz besonders das Kapitel vom so genannten hypnotischen Blitz gefallen – wer denkt da nicht gleich an Men in Black und das berühmte Blitzdings?!? Natürlich hat das in unserem Falle weniger damit zu tun, Zeugen außerirdischer Aktivitäten das Geschehene vergessen zu machen. Vielmehr versteht man darunter die positiven Suggestionen, die der Hypnotiseur seinem Klienten während der Hypnose mit auf den Weg gibt – die natürlich auch noch danach ihre Wirkung entfalten können.

In jedem Fall bietet das Buch auch dem Laien einen kompakten und praxisorientierten Einblick in die komplexe Welt der Hypnose und positiven Suggestionen, und ich bin wieder einmal davon überzeugt worden, dass die faszinierendsten Dinge nicht unbedingt in den unendlichen Weiten des Universums auf uns warten – sondern ganz nah sind: in uns selbst. Nicht umsonst rät ein geflügeltes indianisches Sprichwort:

“Certain things catch your eye, but pursue only those that capture your heart.”

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2 Kommentare

2 Kommentare to ““Stell dir vor, du bist ein Krapfen!””

  1. rogeram 5. Januar 2011 um 09:26 1

    Ich schaue in den Spiegel und sehe: ich bin es nicht.
    Ist das schlimm?

  2. Ute Launertam 6. Januar 2011 um 12:45 2

    Lieber Roger,

    vielen Dank für Deinen Kommentar. Um auf Deine Frage zu antworten: Nein, vermutlich nicht. Sorgen musst Du dir sicher erst machen, wenn Du dich fragst, ob Du lieber ein Krapfen mit Schokoladenüberzug oder doch lieber Zuckerguss sein möchtest … Doch Scherz beiseite: Deiner Bemerkung entnehme ich, dass nicht allen Lesern unseres Blogs der Kontext des oben genannten Filmzitats bekannt ist. Besagter Alien hat nämlich eine (zumindest für Katzenliebhaber) erschreckende kulinarische Vorliebe – auf seinem Heimatplaneten zählen Katzen zu den Delikatessen. Das findet seine terrestrische Gastfamilie überhaupt nicht gut, da ihnen das Wohl von Kater Lucky am Herzen liegt. Daher muss Alf seine Neigung unterdrücken – was ihm zumeist auch gelingt. Gelegentlich droht allerdings seine Natur mit ihm durchzugehen – was seinen sieben Mägen anzulasten ist. In einer Episode versucht er in einem Moment, in dem er sich unbeobachtet wähnt, dem Familienkater zu suggerieren, er sei ein Krapfen. Mehr Philosophie steckt hinter dieser Aussage, die ich als Überschrift meines Blogartikels gewählt habe, gar nicht – außer möglicherweise der, dass Fox Mulder mit seinem Lebensmotto “Trust no one” zumindest in Bezug auf extraterrestrische Lebensformen vom Planeten Melmac recht haben mag.

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